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Dienstag, 18. August 2015

Einladung zum 131. Jour Fixe am Mittwoch, 2. September um 18 Uhr 30 im Curiohaus, Rothenbaumchaussee 15

VIEL GEKÄMPFT – WENIG GEWONNEN
Kritische Auswertung der Streiks bei Post, Bahn, Kita mit StreikaktivistInnen


Mit Nele Reinsdorf, Postzustellerin aus einer westdeutschen Großstadt
Mit Uwe Krug, S-Bahnführer, Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe S-Bahn Berlin 
NN, Kollegin aus einer Kita 

Auf diese Formel „Viel gekämpft, wenig gewonnen“ hat es ein Streikaktivist der Bahn gebracht. Damit stehen er und andere Streikaktivisten des Bahnstreiks im Gegensatz zur GDL-Führung um Weselsky und auch der linken Presse, die das Ergebnis als ziemlichen Erfolg feierten. Diese StreikaktivistInnen wollten den unbefristeten Streik, wesentliche Forderungen wie bessere Arbeitsbedingungen wurden nicht erfüllt. Der GDL-Tarifvertrag ginge nicht wesentlich über den EVG-Tarifvertrag hinaus, der allerdings einige gute Dinge wie Altersteilzeit mit 60 erreicht habe.

Die PostlerInnen streikten nicht nur aus Solidarität mit ihren befristeten KollegInnen, die in DHL-Delivery (Billiglohnfirma der Post) gezwungen wurden – mit bis zu 800 Euro Lohnminderungen. Die Festangestellten hatten in ihrer eigenen Arbeit genug Gründe, die Brocken hinzuschmeißen: Die Zustellbezirke werden ständig vergrößert, es ist nur noch Rennen angesagt. Der Abschluß durch verdi kam überraschend: Keine vorherige Befragung der Streikenden, keine Urabstimmung. Das Ergebnis war völlig unbefriedigend: Die Outgesourcten bleiben bei DHL-Delivery. Es herrscht Wut und Ärger auf verdi: Dafür haben wir nicht so lange gekämpft.
Dieser Streik und sein Ausgang erinnert sehr an den langen Streik bei Telekom 2007. Ein damals aktiver und tief enttäuschter damaliger Streikaktivist wird anwesend sein.

Nur minimale Zugeständnisse hatten die Streikenden im Sozial- und Erziehungsbereich (Kita-Streik genannt), im Frühjahr erreicht. Eine Änderung des Tarifgefüges, was der geforderten Aufwertung entspräche, lehnten die öffentlichen Arbeitgeber ab. Mit 69 Prozent lehnten die ver.di- und GEW-Mitglieder sechs Wochen nach der Schlichtung das Ergebnis ab. Verdi Vorsitzender Bsirske hatte eine ambivalente Rolle gespielt: Er war für die Annahme des Schlichterspruches und verfügte danach eine sechswöchige "Abkühlungspause" für die Streikenden. Trotzdem war die Stimmung noch so, daß 69 % das Schlichtungsergebnis ablehnten. Bsirske stellte sich flugs wieder an die Spitze des Protestes und kündigte Streiks im Herbst an.